Informationen müssen dem Gehirn entsprechend verabreicht werden, damit Sie in unserem Langzeitgedächtnis abgespeichert werden. Aber was kann man tun, wenn man ein schlechtes Gedächtnis hat? Viele Leute sind der Meinung, sie hätten ein schlechtes Gedächtnis (ich übrigens auch). Manche können sich beispielsweise Zahlen und Daten schlecht behalten, andere haben Probleme mit Vornamen. Man sollte daher wissen, dass das Gedächtnis wie ein Muskel ist und Training benötigt, damit es sich entwickeln kann. Mehr darüber, wie man sich schwierige Informationen einprägt, im folgenden Artikel.

(last update: 11/09/2016)

Informationen lernen

Das Erlernen einer Sprache ist eine sehr wirksame Übung, um sein Gedächtnis zu verbessern, und dazu kann dies auch noch sehr wertvoll und nützlich sein.
Wenn man eine Sprache lernt, dann gibt es immer bestimmte Wörter, die man sich nur sehr schwer merken kann. Wenn man zum Lernen eine Software benutzt, die auf dem System der verteilen Wiederholung basiert, so wird der Lernprozess zwar erleichtert, aber keine Software kann das Einprägen von Inhalten für Sie übernehmen. Lernen bedeutet immer Arbeit, insbesondere beim erstmaligen Auswendiglernen von neuen Inhalten (hier finden Sie zum Beispiel eine Liste mit falschen Freunden für einige Fremdsprachen).

Wenn Sie eine auf Flashcards basierende Lernsoftware nutzen, bin ich mir sicher, dass Sie schon einmal auf ein Wort gestoßen sind, bei dem es Ihnen auch nach mehreren Wiederholungen unmöglich schien, sich dieses einzuprägen.

Es gibt dennoch einige Techniken, sich sehr komplexe Zusammenhänge zu merken. Hermann Ebbinghaus, einer der Wegbereiter der Forschung zur verteilten Wiederholung und der Kurve des Vergessens, hat im Zuge seiner Studien eine beeindruckende Zahl an zufälligen Silben (z.B. daus, dor, gim, ke4k …) auswendig gelernt. Und es gibt viele Beispiele zu unglaublichen Gedächtnisleistungen im Internet, wie dieses 7-jährige japanische Kind, das die 500 Dezimalstellen der Zahl Pi auswendig aufsagt:

Diese Leistung ist beeindruckend, aber wenig nützlich. Es ist zweifelsohne hilfreicher, wenn man sein Gedächtnis eine neue Fremdsprache lernen lässt!

Man muss nicht hochbegabt sein, um ein gutes Gedächtnis zu haben und um sich große Informationsmengen merken zu können. Es gibt viele Techniken, auch Mnemotechniken genannt (lesen Sie doch hierzu den Wikipediaeintrag auf Deutsch oder Englisch), aber in diesem Artikel werde ich den Fokus auf das Lernen einer Sprache legen, insbesondere auf das Auswendiglernen von Vokabeln und Sätzen.

 

Die lustige Methode, um sich Informationen und Wörter einzuprägen

Unser Gehirn funktioniert nicht wie ein Computer, denn es gibt keinen wirklich direkten Informationszugang. Meistens funktioniert unser Gehirn basierend auf Assoziationen von Ideen, die auf das Behalten schwieriger Informationen förderlich wirken. Um eine in unserem Gedächtnis vergrabene Information wiederzufinden, muss man durch das Labyrinth im Gedächtnis laufen. Andererseits erinnern wir uns viel besser, wenn eine Information mit einem Kontext oder einem emotionalen Bild verbunden ist. Zum Beispiel bin ich mir sicher, dass Sie sich genau an den Moment erinnern, an dem Sie von den Ereignissen des 11. September gehört haben, da diese normalerweise sehr emotional auf uns wirken.

Wenn man also Probleme hat, ein Wort zu lernen, dann reicht es, sich eine kleine Geschichte oder Szene im Zusammenhang mit diesem Wort auszudenken, am besten ausgehend von dessen Aussprache oder Rechtschreibung. Die Geschichte oder das Bild sollten so emotional wie möglich sein, sie können aber auch lustig, verrücktbelebt oder persönlich sein, solange es einen Bezug zum Wort und seiner Übersetzung gibt. Es macht nichts, wenn die Geschichte lächerlich ist und gar keinen Sinn macht – im Gegenteil, das Wichtige ist, dass Ihnen die Geschichte beim Hervorholen der Information hilft.

Um sich zum Beispiel an das Wort stehlen (ein Dieb) zu erinnern, das im Spanischen robar ist, können Sie sich folgende Geschichte ausdenken:

Informationen, wie zum Beispiel das spanische Verb robar
Penélope Cruz geht in einer wunderschönen Robe die Stufen in Cannes hinauf, als es plötzlich einem der Fans gelingt, die Sicherheitsbarriere zu durchbrechen, Penélope die Robe vom Leibe zu reißen und dann mit dem Kleid unter’m Arm das Weite zu suchen (stellen Sie sich doch Penélope einmal ohne Kleidung vor)“:

Bsp: „Penélope Cruz lässt sich ihre Robe stehlen!“
Also, stehlen = robar.

Ein anderes Beispiel: Das spanische Nomen el saco ist ein falscher Freund und bedeutet der Sack (und im europäischen Spanisch nicht Sakko). Sie können sich zum Beispiel vorstellen, wie Brad Pitt in Cannes erscheint, jedoch seinen Sakko mit einem Sack verwechselt hat…

Bsp: „Er hat ein Sakko mit einem Sack verwechselt!“
Also, el saco = der Sack.

Diese Beispiele sollen folgende Tatsache verdeutlichen: je mehr eine Geschichte an den Haaren herbeigezogen scheint, umso einprägsamer ist sie, und umso besser werden Sie sich folglich eine bestimmte Information behalten können.

Ich gebe zu, dass diese Techniken ein wenig idiotisch erscheinen können, aber ich kann Ihnen versichern, dass sie sehr gut funktionieren. Und nach einigen Wiederholungen müssen wir uns auch die Geschichte nicht wieder ins Gedächtnis rufen, da das Wort in unserem Langzeitgedächtnis gespeichert ist, was quasi einen unmittelbaren Informationsabruf ermöglicht.

 

Wörter zerlegen, um die Information besser zu verinnerlichen

Eine weitere interessante und effiziente Methode, um sich schwierige Informationen zu merken, ist das Studieren bzw. „Auseinandernehmen“ eines Wortes oder eines Satzes, um das Gelernte besser zu behalten. Zahlreiche Sprachen weisen viele Ähnlichkeiten mit dem Deutschen auf. Es ist also hilfreich, Wörter auseinanderzunehmen und die Gemeinsamkeiten mit dem Deutschen zu beobachten. Diese ähnlichen bzw. verwandten Wörter oder auch echten Freunde („true cognates“ im Englischen) sind sehr zahlreich. Es gibt viele komplett identische Wörter (wie Album oder Brise im Französischen), aber auch Wörter, die man zerlegen kann, um ihren Stamm zu finden.

Bleiben wir bei Exempeln aus dem Spanischen. Beispielsweise erhalte ich für das Wort pintar (malen) nach der Zerlegung das Wort pinseln. Für das Wort un banco erhalte ich nach der Zerlegung die Bank.
Oder nehmen wir z.B. das Wort la bandera, das auf Spanisch „Flagge“ heisst. Wenn Sie sich keine lustige Geschichte mit Antonio Banderas ausdenken möchten, dann fällt Ihnen vielleicht auf, dass dieses Wort im Zusammenhang mit den Wörtern Banner und Banderole steht. Folglich können Sie an ein mittelalterliches Banner denken:

Mittelalterliche Fahne

 

Wie Sie sehen, müssen Sie kein Latein können oder Sprachstudien absolviert haben, um Zusammenhänge mit der deutschen Sprache zu finden. Es macht auch nichts, wenn das Auseinandernehmen des Wortes von einem Sprachwissenschaftler vielleicht kritisch beäugt wird. Das Wichtigste ist, dass diese Methode Ihnen beim Lernen hilft.

Ich wünsche Ihnen nun gutes Lernen und vergessen Sie nicht, dass MosaLingua sowohl Ihr auditives Gedächtnis durch die Aussprache eines Wortes anspricht, als auch das visuelle, indem Sie das geschriebene Wort sehen. Manchmal bekommen Sie auch ein Bild zu Gesicht (bei Dialogkarten), welches das Gelernte in einen Kontext bringt, was beim Einprägen ebenfalls hilft.

Und wenn auch Sie noch Techniken zum Auswendiglernen von widerspenstigen Wörtern und Einprägen von schwierigen Informationen auf Lager haben, dann tun Sie uns diese doch bitte in Form eines Kommentars kund. Dafür sind die Kommentarfelder da!

Übrigens, erinnern Sie sie noch an die Wörter für stehlen und Flagge auf Spanisch? 😉